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Eine ganz besondere Reise nach Anjajavy, Madagaskar

Herrn Wolfgang DĂ€rr Trauminsel Reisen
Summerstraße 8
82211 Herrsching
Pforzheim 29.10.2015

Sehr geehrter Herr DĂ€rr,
wir, meine Frau und ich, sind soeben von einer dreiwöchigen Reise nach Antananarivo und Anjajavy, Madagaskar zurĂŒckgeommen, die Frau Hoidn fĂŒr uns ausgearbeitet hatte.

Antananarivo

Ich habe ihr bereits darĂŒber berichtet, dass diese Reise trotz vieler BefĂŒrchtungen, was uns erwarten könnte, ein voller Erfolg war. Wir sind begeistert darĂŒber, was dieses Land an Naturschönheiten zu bieten hat. NatĂŒrlich muss man erst einmal nach der Ankunft in Tana den Kulturschock ĂŒberwinden. Wir sind schon viel gereist in unserem Leben, auf allen Kontinenten, u.a. in Asien, Afrika und SĂŒdamerika. Madagaskar toppt alles. Wer so etwas wie Tana noch nie gesehen hat, wird am Anfang Probleme haben. NatĂŒrlich hat man vorher darĂŒber gelesen, kennt auch die Gesundheitsrisiken, aber richtig vorstellen kann man sich das durch einen Zeitungsartikel eben doch nicht. Den Dreck, Smog, das Verkehrschaos, die defekte Infrastruktur, löchrige Straßen, die Armut und die hart schuftenden Menschen muss man erst einmal erlebt haben und wegstecken. Und dann muss man sich wieder daran erinnern, dass man sich vor der Reise vorgenommen hat Komforteinbußen und Überraschungen im Reiseverlauf hinzunehmen. Danach wird alles nur noch schön. Dusche funktioniert nicht? BrĂŒcke eingestĂŒrzt? Kein Handyempfang? Braucht man das wirklich?

Anjajavy

Kurzum, wir haben die Reise sehr genossen, wir haben liebenswĂŒrdige Menschen angetroffen, die Gelegenheiten zur Tierbeobachtung waren grandios und als anspruchsvoller Amateurfotograf bin ich voll auf meine Kosten gekommen.
Entsprechend unserem Reisekonzept verbrachten wir im zweiten Teil der Reise zehn erholsame Tage im Hotel Anjajavy. Wir hatten also viel Zeit fĂŒr GesprĂ€che mit dem General Manager CĂ©dric de Foucault, der aus einer alten französischen Adelsfamilie stammt („einer von uns liegt im PanthĂ©on“) und seinen Leuten. Uns haben sich daher vielleicht mehr ZusammenhĂ€nge erschlossen als den GĂ€sten, die nur drei oder vier NĂ€chte bleiben. DarĂŒber möchte ich kurz berichten. Anjajavy ist ein kleines, aber feines Luxushotel. Gemessen an der Lage und der schweren Ereichbarkeit und komplizierten Versorgung grenzen der hohe Komfort und das Serviceniveau an ein Wunder. Treibende Kraft hinter allem ist CĂ©dric, der hier mit seiner madegassischen Frau und den beiden Kindern seine Lebensaufgabe gefunden hat. Nach dem Tod des frĂŒheren EigentĂŒmers wurde das Haus verkauft. Im Jahr 2009 hat er die Leitung des Hauses ĂŒbernommen und vor dem Zerfall gerettet. Mit viel Energie und betriebswirtschaftlichem Sachverstand (er hat einen MBA einer frz. UniversitĂ€t) hat er die gesamte Anlage zum heutigen Standard gefĂŒhrt.

Das zu RELAIS et CHATEAUX gehörende Anjajavy ist ISO 9000 zertifiziert. ZunĂ€chst mussten die Kosten in den Griff gebracht werden. Alles, was nicht dauerhaft benutzt werden konnte, wurde outgesourct. So wurde u.a. die frĂŒher eigene Hotel Airline verkauft. Daraus wurde die heutige MTA, die sein Vater erworben hat und bei Bedarf GĂ€ste aus Tana einfliegt. Die MTA fliegt im Gegensatz zu vielen anderen Linien in Madagaskar nach höchsten amerikanischen Standards (die Einrichtungen am Boden machen einen luxuriösen Eindruck). MTA ist der bevorzugte Carrier fĂŒr die anspruchsvollen „Hard Hats“, Manager der Industrie, die von Tana aus zu den Anlagen geflogen werden. CĂ©dric investiert viel in das Wissen und den Ausbildungsstand seiner Leute. So hat er seinem madagassischen Chefkoch die französichen KĂŒche zu Gunsten lokaler SpezialitĂ€ten „ausgetrieben“ und ihn zum WĂŒrzkurs nach La RĂ©union geschickt. Alle handwerklichen Arbeiten und Ingenieuraufgaben werden von einheimischen Mitarbeitern durchgefĂŒhrt. Alles funktioniert hier mit einer unglaublichen PrĂ€zision. „Resilience“ nennt er das: „Selbst, wenn wir hier pleite gehen, schadet das den Leuten nicht. Sie sind alle so gut ausgebildet, dass sie sofort wieder einen Job bekommen“. CĂ©dric hat die Leitung des Hauses in einer denkbar schlechten Phase ĂŒbernommen. Das Land machte eine ernste politische Krise durch, die dazu fĂŒhrte, dass der PrĂ€sident unter dem Druck der USA ins Exil gehen musste. Die Touristen blieben aus. Hinzu kam die Finanzkrise, die die gesamte Tourismus Industrie hart traf.

Attenborough’s Rolle

„Was uns gerettet hat, war die BBC“, sagt CĂ©dric. David Attenborough, die BBC-Legende, machte in dieser Zeit einen Film ĂŒber Madagaskar und das Anjajavy. In der Folge erhöhte sich der Bekanntheitsgrad in England und den USA. Folglich kommen auch heute die GĂ€ste vorwiegend aus diesen LĂ€ndern. Mir ist aufgefallen, dass wĂ€hrend unseres Aufenthaltes keine deutschen GĂ€ste da waren. Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Vielleicht liegt es an unterschiedlichen MentalitĂ€ten und touristischen Vorlieben zwischen Deutschen und Angelsachsen. Die Amerikaner mit denen ich gesprochen habe, lieben die unberĂŒhrte Natur und die bequeme Art zur Tierbeobachtung, die das Anjajavy bietet.

Anjajavy’s Projekte

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Anjajavy mit „Hotel“ nur unzulĂ€nglich beschrieben und positioniert ist. Ich habe lange darĂŒber nachgedacht, ob es einen Oberbegriff gibt, der das Anjajavy beschreibt und der noch nicht vom Marketing abgenutzt oder ideologisch verbraucht ist. Es ist gleichzeitig eine Lodge in einer außerordenlich schöner Lage, eine Einrichtung, die sich mit viel Energie dem Naturschutz und der BiodiversitĂ€t verschrieben hat. Seit CĂ©dric das Anjajavy leitet, wurde aktiv Wiederaufforstung betrieben und die WaldflĂ€che des Reservats um 40% erweitert. Daneben wird mustergĂŒltige interkulturelle Entwicklungshilfe mit den Nachgargemeinden geleistet.

Den Dörflern wird gezeigt, wie man auf das Abbrennen von WĂ€ldern verzichten kann und welche Alternativen zur Bewirtschaftung es gibt. Nicht durch Anweisungen oder Bevormundung sondern sehr einfĂŒhlsam als „Hilfe zur Selbsthilfe“ unter gegenseitiger Respektierung kultureller Unterschiede. Es gibt auch Programme, um den Ausbruch von Malaria zu vermeiden, wobei darauf geachtet wird, dass Moskitonetze nicht fĂŒr den Fischfang verwendet werden. Das Haus ist aber auch Forschungsstation. Immer wieder sind Primatenforscher aus den USA zu Gast. Momentan wird eine Gruppe von Aye-Aye ausgewildert, um sie in der Umgebung anzusiedeln. Ferner wird eine seltene Lemurenart erforscht, die auf dem GelĂ€nde lebt und die als einzige ihrer Art einen Winterschlaf hĂ€lt. Von Interesse ist hier die Physiologie mit Parallelen zum Menschen. Davon profitieren sollen Komapatienten, langfristig vielleicht auch die Weltraumforschung mit der Idee, Reisende zum Mars in einen Ă€hnlichen energiesparenden Zustand zu versetzen.
Was im Anjajavy betrieben wird ist nachhaltiger Ökotourismus. An all dem können GĂ€ste, die sich fĂŒr dieses Thema interessieren unter kundiger Leitung teilnehmen. CĂ©dric de Foucault selbst hat sich ein fundiertes Wissen ĂŒber die ZusammenhĂ€nge angeeignet und spricht bereitwillig ĂŒber sein Anliegen. Man kann die Beobachtung der Tier- und Pflanzenwelt ruhig angehen, fĂŒr hartgesottenen Zeitgenossen werden aber auch Expeditionen organisiert, fĂŒr die das Haus die AusrĂŒstung bereitstellt und fĂŒr die Sicherheit sorgt.
Dieser Junge hĂ€tte verdient, dass seine Arbeit mehr in die deutsche Öffentlichkeit gebracht wird. Das mĂŒsste jedoch journalistisch aufbereitet werden. So viel Anstrengung und Idealismus gehört belohnt. Ich könnte mir vorstellen, dass Journalisten von GEO, terra oder ein Fernsehteam dorthin reisen, um ĂŒber diese Arbeit zu berichten. CĂ©dric wĂ€re bereit fĂŒr die Besucher fĂŒr die Dauer des Aufenthaltes die Kosten fĂŒr Unterkunft und Verpflegung zu ĂŒbernehmen.
Vermutlich gibt es auch bei Trauminsel Reisen genĂŒgend viele Kunden, die sich fĂŒr ebenfalls fĂŒr diese Arbeit interessieren. Was meinen Sie, lieber Herr DĂ€rr? Könnten Sie als langjĂ€hriger Madagaskar-Experte einen Kontakt herstellen, um diese Berichterstattung in die Wege zu leiten? Oder hatten Sie bereits Ă€hnliche Ideen?
Gerne höre ich wieder von Ihnen und grĂŒĂŸe Sie und Ihre Frau sehr herzlich.
Ihr
Gerhard Schimpf

Anjajavy im Video:

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Ein Kommentar

  1. Avatar for Wolfgang.Daerr

    Sehr geehrter Herr Schimpf,

    bitte entschuldigen Sie, dass Sie nach Ihrer Madagaskarreise nichts von mir gehört haben. Aus mir unbekanntem Grund ist ihr Brief vom Oktober nicht bei mir angekommen.

    Wir hatten in den 80er und 90er Jahren pro Jahr mehrere hundert GĂ€ste die nach Madagaskar gereist sind. Heute sind wir froh, wenn wir es auf 30 pro Jahr bringen. Im Wesentlichen liegt dieser Schwund an der leider zur Gewohnheit gewordenen negativen Berichterstattung ĂŒber Madagaskar, den furchtbaren und falschen Warnungen des AuswĂ€rtigen Amts und auch an der Berichterstattung ĂŒber den „Putsch“ vor einigen Jahren, der letztlich harmloser war als als die Demonstrationen im Zusammenhang mit “Stuttgart 21”.
    Auch die komplizierten und teuren Flugverbindungen nach Madagaskar tragen ihren Teil bei. Wer will schon teuer dafĂŒr bezahlen, in ein “gefĂ€hrliches, armes, politisch unsicheres, unattraktives und touristisch rĂŒckstĂ€ndiges Land” (so ist Madagaskar momentan im Bewusstsein deutscher Reisender verankert) zu reisen, in dem die WĂ€lder brennen und Tote aus ihren GrĂ€bern geholt werden?

    Aus diesen GrĂŒnden haben sich viele deutsche Veranstalter aus Madagaskar zurĂŒckgezogen. Das fĂŒhrt dazu, dass auch aus der Tourismusbranche kein kommerzielles Marketing fĂŒr das Land mehr erfolgt. Da ich zu Beginn der 80er Jahre den ersten ReisefĂŒhrer ĂŒber Madagaskar in deutscher Sprache geschrieben habe, der heute als „Reise Know How“ von dem in Madagaskar lebenden Journalisten Klaus Heinmer weitergefĂŒhrt wird, ist all das fĂŒr mich sehr traurig. Wir fĂŒhren Madagaskar auch nicht aus kommerziellen GrĂŒnden in unserem Programm. Die Kosten fĂŒr den Katalog, die Information ĂŒber Änderungen im touristischen Angebot und die aufwendige Arbeit bei der Zusammenstellung der Rundreisen unserer GĂ€ste werden aus den Einnahmen nicht gedeckt. Aus Nostalgie und Zuneigung halten wir Madagaskar dennoch in unserem Prospekt. Und vielleicht fliegt ja auch mal wieder jemand „Non-Stopp“ und preisgĂŒnstig aus Deutschland und wir können dann wieder an die „gute alte Zeit“ anknĂŒpfen?

    Anjajavy ist ein fĂŒr Madagaskar außergewöhnlich luxuriöses Haus in einer unglaublichen Umgebung. Soetwas gibt es auf der Welt nur selten. Aus diesem Grund enpfehlen wir es auch unseren GĂ€sten immer wieder und haben auch gelegentlich eine Buchung.

    Als Madagaskar in den 80er und 90er Jahren von deutschen GĂ€sten recht hĂ€ufig besucht wurde, haben wir Journalisten bei ihren Recherchereisen unterstĂŒtzt. Da momentan auch auf positive Reiseberichte ĂŒber Madagaskar nur wenig Reaktion zu erwarten ist, können wir das leider heute nicht mehr finanzieren. Das FremdenverkehrsbĂŒro von Madagaskar versucht Journalistengruppen ins Land zu holen, doch die letzte geplante Journalistenreise wurde mangels interessierter Journalisten abgesagt.

    Sie sehen, es ist nicht ganz einfach GĂ€ste fĂŒr Madagaskar zu finden. Und noch schwerer ist es einen unbekannten Juwel wie Anjajavy regelmĂ€ĂŸig zu buchen. Viele GĂ€ste werden vom Preis dieses Hotels abgeschreckt, denn die meisten Urlauber geben ihr Geld lieber in Destinationen aus, ĂŒber die sie hĂ€ufig und positiv in den einschlĂ€gigen Reisezeitschriften oder Reiseseiten der Tageszeitungen lesen (Seychellen, Mauritius, Malediven, Costa Rica, Sri Lanka 
.. )

    Es freut mich sehr, dass Sie das Land lieben gelernt haben und bereit waren die „Unannehmlichkeiten“ in Kauf zu nehmen, die auf einer Madagaskarreise auftreten können. Viele Urlauber wĂŒrden solche Dinge zum Anlass nehmen eine „Reisepreisminderung“ vom Veranstalter zu fordern 
..

    Vielen Dank, dass Sie es mir gestattet haben Ihren Text in unseren Blog einzufĂŒgen. Ich bin sicher, dass er manchen Reisenden animieren könnte einmal etwas “Besonderes” zu wagen!

    Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
    Wolfgang DĂ€rr

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