Oman – Rub al Khali – Wenn Stille zum Luxus wird

„Wahre Luxusmomente sind nicht materiell. Es geht, um die Freiheit zu reisen, um Gesundheit und Zeit, um guten Schlaf unter Sternen, um Lernen und Wachstum – und um Sonnenuntergänge, geteilt mit denen, die man liebt.“

Elenas Survival Kit
Elenas Survival Kit

Nach einigen ereignisreichen Tagen im nördlichen Teil des Oman (Siehe vorherigen Eintrag) und einem letzten gemeinsamen Abendessen erwartet mich auf meinem Zimmer bereits eine Überraschung, bevor es am nächsten Morgen per Inlandsflug nach Salalah geht. Ein personalisiertes Survival Kit – dies wird in den nächsten Tagen mein treuer Begleiter werden.

Willkommen in der Region Dhofar, der „Karibik des Orients“ mit seinen endlosen Sandstränden. Kathi erzählt uns, dass es hier teilweise mehr Kamele als Menschen gibt – dieser Eindruck bestätigt sich sehr schnell.

Einen Tag verbringen wir noch in einem schönen Resort, lernen neue Gruppenmitglieder kennen und bereiten uns mental auf die anstehende Expedition vor. Am Abend fällt es unfassbar schwer einzuschlafen, der Kopf ist voller Fragen: Was erwartet mich die nächsten Tage? Wie funktioniert das alles? Ohne Bad? Was machen 4 Tage ohne Handynetz mit mir? Wie sind die anderen Gruppenmitgliedern?

Kamele in der Region Dofar
Kamele in Dhofar

Expeditionstag 1 – Aufbruchstimmung

Jeeps von Silent Sands auf der Tour im Oman
Unsere Jeeps

Auf uns wartet die Rub al Khali. Mit rund 780.000 Quadratkilometern erstreckt sich diese weltweit größte Sandwüste zwar hauptsächlich über Saudi-Arabien, hat jedoch weite Ausläufer in Teile des Jemens, Omans und der Vereinigten Arabischen Emirate. Unsere Gruppe wird aus vier Fahrzeugen für uns Gäste bestehen, die wir abwechselnd selbst fahren. Hinzu kommen drei Begleitfahrzeuge der Crew, die das gesamte benötigte Equipment transportieren.

Bevor unser Abenteuer Wüstenexpedition heute startet, erhalten wir von Abdullah (unserem Expeditionsleiter) und seinem Geschäftspartner Jurjen, Informationen über die Route und Region, die Fahrzeuge und wichtige Verhaltenshinweise zum Fahren in einem Konvoi. Gespannt hören wir den Ausführungen unserer erfahrenen Guides zu. Nur wenige von uns haben Erfahrung mit Fahrten in der Kolonne, geschweige denn dem Fahren auf Sand. Die nächsten Tage werden uns von einer Gruppe in ein Team verwandeln.

Los geht es in den 4×4 Jeeps von unserem Resort in Salalah entlang der Küste und seinen traumhaften Stränden bis zu Fazayah Beach mit seinen Blowholes (auch bekannt als Blowholes von Al Mughsail). Eveline und ich starten gemeinsam in einem Fahrzeug und versuchen zusammen erstmal mit dem Straßenverkehr und dem Funk klarzukommen. Kaum sind wir wieder unterwegs erwartet uns schon die erste Challenge. Abduallah gibt uns Anweisung per Funk – wir sollen von „2 Wheel Drive“ auf „4 Wheel Drive“ schalten und dann geht es auf einer Schotterpiste bergab an den Strand für einen weiteren Halt und Gelegenheit kurz die Füße in die Wellen zu halten. Nur rund 30 Minuten später sind wir wieder knapp 1000 Meter über dem Meeresspiegel und werfen einen letzten Blick auf den Indischen Ozean.

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Abfahrt zu Fazayah Beach
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rund 1000 Meter ĂĽber dem Meeresspiegel
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Yashjub am Fazayah Beach
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Für den nächsten Streckenabschnitt gesellt sich nun auch Sabine zu uns ins Auto und wir unterhalten uns bestens über Themen wie Jugend forscht bis hin zu unseren bisherigen Reisen. Je weiter wir ins Landesinnere kommen, desto ruhiger werden nun alle. Die schöne asphaltierte Straße weicht erneut der Schotterpiste. Erneuter Fahrerwechsel – langsam trauen sich immer mehr aus unserer Gruppe hinter das Steuer.

Baby Shark & Yashjub prĂĽfen den Reifendruck
Reifendruckkontrolle
Campingspot im Wadi Adam
Campingspot im Wadi Adam

Offroad geht es weiter in ein Wadi (arabisch für Schlucht), einem ausgetrockneten Flussbett zwischen schroffen Felsformationen und nur noch etwas Vegetation. Während der starken Regenfälle zur Khareef-Saison (Monsun) im Sommer werden diese zu Flüssen. Direkt neben einem dieser Flussbetten finden wir den Schlafplatz für unsere erste Übernachtung.

Während das Team den Aufbau unseres Camps (Zelte, Küche, Stühle und Tische für unser Abendessen) übernimmt, wissen wir noch nicht so richtig, was wir mit uns anfangen sollen. Die Smartphones verlieren die Verbindung – wir sind nun für die nächsten Tage offline. Ohne Nachrichten. Ohne Mails. Kein Zugriff auf Social Media. Ein seltsames Gefühl nicht erreichbar zu sein. Immerhin war ich in den letzten Jahren wohl nie länger als 12 Stunden ohne Empfang.

Unser Entertainment in der Zwischenzeit bilden daher die Aussicht auf das Wadi, ein paar Käfer in der Erde und vereinzelte Kamele, die uns als Ihre neuen Nachbarn begutachten.

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Evelyn begrĂĽĂźt unsere Nachbarn
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erstmal ankommen
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Yashjub und Baby Shark bauen die Zelte auf
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Unsere neuen Nachbarn beäugen Luca neugierig – oder doch skeptisch?

Buffet zum Abendessen
Buffet zum Abendessen

Abood und Mama Aliya verwöhnen uns mit frisch zubereiteten, traditionell omanischen Gerichten und wir lernen uns besser kennen, Teilen Stories und lachen gemeinsam. Manche von uns hält es noch einige Zeit am Lagerfeuer unter dem klaren nächtlichen Sternenhimmel, ehe wir uns in unsere Zelte zurückziehen.

Expeditionstag 2 – Into the desert

Die erste Nacht liegt nun hinter uns und alle treffen sich zum Frühstücksbuffet mit einem starken Omani-Coffee oder Karak-Tee. Danach geht es recht schnell los. Jeder von uns packt seinen Schlafsack zusammen und schon bauen Baby Shark und Yashjub die Zelte ab, Abood und Mama Aliya verräumen die mobile Küche und Abdullah bespricht mit Jurjen erneut die Route, die heute vor uns liegt.

Die Camping Situation ist fĂĽr alle noch etwas ungewohnt, und wir brauchen etwas, bis jeder seine Sachen in den Autos gefunden und die Morgenroutine abgeschlossen hat.

Baby Shark auf dem Fahrzeugdach
Baby Shark
Unser erster Sonnenuntergang in Mitten der WĂĽste
Unser erster Sonnenuntergang in Mitten der WĂĽste

Heute geht es immer weiter hinaus aus der Zivilisation und hinein in die Wüstenlandschaft. Und da ist er: der Moment, auf den wir alle gewartet haben: Die Schotterpisten enden und vor uns liegen nur staubige Ebenen, goldgelbe Dünen, blauen Himmel und hier und dort wenige grüne Büsche. Wir lernen an Baby-Dünen das Fahrverhalten der Geländewagen langsam kennen, folgen den präzisen Anweisungen über Funk. Hin und wieder benötigt es kleine Rettungsmissionen, wenn es doch einmal hakt.

Als sich der Sonnenuntergang langsam ankündigt, beginnt Abdullah mit der Suche nach einem passenden Spot für unser heutiges Camp. Auf dem Ausläufer einer Düne wird er schließlich fündig und ruft uns zu sich hoch – dies wird nochmal die letzte Challenge des Tages und die bislang höchste Düne für uns. Ich sitze hinterm Steuer und erhalte die Anweisung „just follow Abood – he will show you the track“. Okay. Nun werde ich doch etwas nervös, habe aber mit Kathi eine wüstenerfahrene Beifahrerin, die mich pusht. Nachdem alle die heutige Parkposition erreicht haben, übernimmt das Team wieder die Logistik und wir haben einen Moment zum Ankommen.

gemeinsamer Sonnenuntergang
gemeinsamer Sonnenuntergang
Person liegt auf DĂĽnenkamm und genieĂźt den Tagesausklang
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Ein letzter Schimmer von Orange und Rot verweilt am Himmel, dann verschwindet die Sonne, und wir bleiben an der Dünenkante liegen. Still und nachdenklich. Für jeden fühlt es sich anders an: Alles wirkt unmittelbar, echt, erdend. Tiefe Dankbarkeit durchströmt mich in diesem Moment – dafür, genau hier an diesem Ort zu sein, gesund und einmal fernab von allem, was sonst an mir zehrt.​ Dieser Platz nimmt mir jeden Zweifel. Ängste schrumpfen einfach zusammen, als drehe jemand den Lärm in meinem Kopf sacht herunter. Ringsum sitzen auch die anderen allein auf ihren Dünen, jeder in seiner eigenen kleinen Welt, manche mit glasigen Augen, andere mit einem befreiten Lächeln auf den Lippen. Wieder andere schauen schweigend in die Ferne, als würden sie in diesem Moment entscheiden, ihr Leben auf den Kopf zu stellen, sobald sie wieder zu Hause sind.

Expeditionstag 3 – Welcome to the Empty Quarter

Jurjen erklärt die Reiseroute
Jurjen erklärt die Reiseroute

Heute warten unzählige Dünencrossings auf uns – in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Abdullah und Jurjen geben uns nach einem stärkenden Frühstück Einblick in den heutigen Tagesplan. Gestern übten wir noch an kleineren Dünen, heute wagen wir uns an größere Herausforderungen. Abdullah erinnert uns an seine Worte vom ersten Tag:

Don´t be scared of flat tires or getting stuck. We are well prepared. Baby Shark and Yashjub are waiting for problems like this. Trust me“ Seine Worte haben mich mitten ins Herz getroffen. In einer Welt, in der wir so oft versuchen, alles richtig zu machen und Fehler zu vermeiden, war das wie ein tiefer Atemzug.

Yashjub & Baby Shark laden unsere Zelte ab
Yashjub & Baby Shark laden unsere Zelte ab
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Yashjub gibt Anweisungen per Funk

Auf den anspruchsvolleren Abschnitten bekommen wir unterwegs klare Anweisungen über Funk. Und falls doch einmal jemand stecken bleibt, ist das Team sofort zur Stelle, um zu helfen. Dabei entsteht eine spürbare Verbindung zwischen uns: Wir feuern uns gegenseitig an, freuen uns über die Erfolge anderer, lernen uns besser kennen und gewinnen immer mehr Vertrauen. Jeder bringt seine Stärken ein und fängt Schwächen der anderen auf – so wächst unser Team Schritt für Schritt zusammen.

Am Nachmittag hören wir von Abdullah via Funk „Guys. I don´t know if you are ready for this. Please take it slow. “ Was erwartet uns nun? Die Aufregung steigt – haben wir gerade erst eine besonders steile Düne bergab und einen ordentlichen Adrenalinkick hinter uns… Dann haben wir Abdullah eingeholt und wir verstehen.

Eine große Herde der seltenen Schwarzen Kamele – einige Exemplare sind ein kleines Vermögen wert.

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Herde Schwarzer Kamele in der Rub al Khali
Herde Schwarzer Kamele
Schwarzer Kamele in der Rub al Khali
Schwarze Kamele in der Rub al Khali

Einen letzten Abend haben wir noch in der Wüste und wir werden etwas mutiger, ziehen mit unseren Zelten weiter auseinander. Für unser heutiges Dinner packt Abood aus seiner mobilen Küche einen Grill aus – wir werden mit einem BBQ verwöhnt und wir feiern unsere eigene „kitchen party“.

„kitchen party“
„kitchen party“
Baby Shark am Abend
 Campingspot unter Sternenhimmel
Campingspot unter Sternenhimmel

Expeditionstag 4 – Farewell

Tag vier unserer Tour startet für mich nochmal besonders früh. Ich möchte den Sonnenaufgang auf der Düne verfolgen. Vor mir in der Ferne kraxelt schon Eveline den Sand hinauf und scheint einfach nicht am Gipfel anzukommen. Doch der Aufstieg hat sich gelohnt. Auf dem Kamm sitzend genießen schweigend das sich uns bietende Naturschauspiel. Mit dem Sonnenaufgang wechseln die Dünen ihre Farben. Ein Moment voller Wüstenmagie.

DĂĽnenwanderung zum Sonnenaufgang
DĂĽnenwanderung zum Sonnenaufgang
Sonnenaufgang vom DĂĽnenkamm
Sonnenaufgang vom DĂĽnenkamm

Sonnenaufgang in der WĂĽste
Ein letzter Sonnenaufgang in der WĂĽste

Es fällt uns nicht leicht, der Wüste Lebewohl zu sagen. Der einzigartige Rhythmus, dieser „Desert-Mode“ wie wir ihn getauft haben, ist zu unserem geworden. Während wir zurückfahren, senkt sich Stille über die Autos; jeder taucht in seine Gedanken ein, der Sand weicht erneut den Straßen, und die Zivilisation gewinnt an Präsenz. Keiner von uns hat das Bedürfnis das Smartphone zu aktivieren – wir genießen es, solange es geht offline zu bleiben.

Eveline stellt uns kurz vor der Heimreise die Frage, was der Aufenthalt in der Rub al Khali mit uns gemacht hat. Ich brauche noch einige Zeit, um eine Antwort zu finden. Jeder von uns. Alle spüren, dass sich etwas verändert hat, aber greifbar ist es noch nicht richtig – es wird noch einige Tage dauern, bis sich alles gesetzt hat.

Eveline - ich - Sabine - Kathi - Abdullah - Anne
Eveline – ich – Sabine – Kathi – Abdullah – Anne
Oman - Rub al Khali - Wenn Stille zum Luxus wird 12
Meine Reisetruppe
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Yashjub – Abood – Mama Aliya – „Baby Shark“ – Abdullah

Meine Erkenntnis:

In der Wüste zeigt sich Luxus in seiner reinsten Form – als Stille, Weite und Zeit, nicht Fülle, sondern Freiheit. Abseits jeder Ablenkung reduziert sich das Leben auf das Wesentliche und Begegnungen, die tiefer gehen: mit der Natur, mit anderen und mit sich selbst. Das einfache Camp, das warme Abendlicht und der Blick über die endlosen Dünen lassen eine Ruhe entstehen, die kaum anderswo zu finden ist. Eine Reise, die berührt – und den Wert von Einfachheit neu definiert.

Das perfekt organisierte Expeditionsteam mit Fachwissen, Empathie, Humor und hervorragender Ausstattung hat dafĂĽr gesorgt, dass wir uns ganz auf das Erlebnis einlassen konnten. Besonders wertvoll war, diese intensive Umgebung mit groĂźartigen Menschen zu teilen.

Mein fester Vorsatz nach diesem Erlebnis: Auch zuhause will ich öfter offline – im „Desert-Mode“ – sein.

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