Das
Wichtigste zusammengefasst
Name: Ile La Réunion
Einwohner: 300 000
Hauptstadt: St. Denis
Amtssprache: Französisch
Umgangssprache: Kreolisch
Währung: Euro
Zeit: MEZ + 2 Stunden; MESZ + 1 Stunde
Wirtschafts- und Sozialwesen
Die Erlöse aus dem Export von Gewürzpflanzen und Zuckerrohr reichen nicht aus, um die erforderlichen Importe zu bezahlen. Mit der zunehmenden Bevölkerung sind die Einfuhren weit stärker gestiegen als die Exporte. Der französische Staat musste mehr finanzielle Unterstützung leisten, um das Missverhältnis auszugleichen. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel und Getränke, außerdem Rohstoffe und Fertigwaren. Ähnlich wie auf Mauritius sorgt seit der erfolgreiche Verkauf von Zucker für steigenden Wohlstand. Zudem wurden seit 1980 die veralteten Anbautechniken von Gewürzpflanzen (Vanille) und von Duftstoffen (Geranium, Ylang-Ylang) modernisiert. Eine besondere Stellung hat die Geranium-Kultur. Sie dient zur Erzeugung von Duftessenzen und wird in den höheren Lagen angebaut. Mittlerweile ist La Réunion der Welt wichtigster Lieferant dieser Duftessenzen und macht den Komoren mit deren beherrschender Stellung beim Ylang-Ylang Konkurrenz. Auch beim Fischfang wurden in den letzten Jahren in Infrastruktur, Ausrüstung und Einrichtung wesentliche Verbesserungen erzielt. Die Gesamtfangquote von Thunfisch, Tiefseekrabben, Krabben und Langusten liegt bei ca. 2000 Tonnen.
Tourismus
Obschon die Insel mit Naturschönheiten insbesondere in der eindrucksvollen Bergwelt reichlich ausgestattet ist, spielte der Fremdenverkehr bisher nur eine geringe Rolle. Erst seit 1990 werden ernsthafte Versuche unternommen, diesen Wirtschaftszweig besser zu
erschließen. Es gibt ein gut ausgebautes Straßennetz und auch einige Hotels mit gutem Standard. Allerdings fehlen die für den devisenbringenden Ferntourismus nötigen Palmenstrände fast ganz. Es gibt zwar ein paar schöne Sandstrände vor allem bei St. Gilles und St. Pierre, doch können sie dem Vergleich mit den Stränden auf Mauritius, den Seychellen oder den Stränden der madagassischen Inseln Nosy Be und Nosy Boraha sowie der Komoreninseln nicht standhalten.
Geographie
La Réunion gehört mit Mauritius und Rodrigues zur Inselgruppe der Maskarenen. Die Insel liegt etwa 800 km östlich von Madagaskar und 160 km südlich von Mauritius auf dem 21. südlichen Breitengrad. Mit einer Fläche von 2510 km2 entspricht sie etwa der Größe Luxemburgs. La Réunion hat einen Umfang von über 200 km und einen Durchmesser von 50 bis 70 km. Vor etwa drei Millionen Jahren brachte eine gewaltige Eruption den noch heute
gleichmäßigen Vulkankegel des Piton de la Fournaise zum Vorschein. Spätere Eruptionen formten die übrigen Gipfel und die Talkessel im Inneren der Ränder der früheren Öffnungen. Die westlicher liegenden Komoreninseln Grand Comore und Anjouan stammen aus einer ähnlichen Epoche, die Nachbarinsel Madagaskar ist im Vergleich zu La Réunion ein Methusalem, Mauritius eine alte Dame.
Flora und Fauna
Wie auf allen Inseln des westlichen Indischen Ozeans gibt es auch auf La Réunion keine giftigen Schlangen oder sonstige gefährliche Tiere. Wildlebende Landtiere sind selten. Einige Chamäleonarten findet man in den Zuckerrohrfeldern, in den Bergwäldern Rotwild und Hasen. Vor der Besiedlung durch den Menschen gab es zahlreiche, inzwischen ausgestorbene Schildkröten und Krokodile. Auch heute noch sehr zahlreich sind die Vögel auf La Réunion, u. a. Reb- und Auerhühner, weiße Amseln, die Paille-en-Queue, Kanarienvögel, Madonnenvögel und chinesische Wachteln. Am Wasser und an den Steilküsten haben sich eine große Zahl Meeresvögel niedergelassen. Häufig sind die Mantelmöwe, der schwarze Sturmvogel, der Puffin Noir und der Puffin d’Herminier. Die Meeresfauna der Gewässer um La Réunion ist ebenso vielfältig wie exotisch in Gestalt und Farben. Die schönsten Tropenfische sind die Papageien- und Schmetterlingsfische. Fast alle der heimischen Fische sind essbar, so auch der Carangues, der Vivaneau Rouge, Thunfisch und Bananenfisch. Eine besondere Spezialität unter den Fischen sind die Bichiques, eine Fischbrut, die im Meer geboren wird und dann die Flussläufe hinaufwandert. Auf dem Meeresgrund und am Strand entdeckt man zahlreiche Muschelarten, Seesterne und zur Freude vor allem französischer und italienischer Gäste auch essbare Seeigel (Vorsicht beim Baden!).
In den leicht zugänglichen Teilen der Insel hat der Mensch die ursprüngliche Vegetation vor Jahrhunderten durch Nutzpflanzen ersetzt. Natürliche Vegetation waren Gras- und Baumsavanne auf der trockenen Westseite und Feuchtwald in den übrigen Gebieten. Seit dem 19. Jahrhundert allerdings führte man bereits fremde Arten ein, um dem Holzmangel und der Erosion zu begegnen. In den unzugänglichen Gebieten der tiefen Schluchten der Cirques gibt es aber noch dichte tropische Vegetation mit Palmen, Baumfarnen, Orchideen und verschiedenen Aloearten. Diese vermischen sich mit den eingeführten Pflanzen, wie Zitrusfruchtbäumen aller Art, dem aus Madagaskar kommenden Flamboyant und Bougainvilleen. In höheren Lagen gedeihen Zuckerrohr, Parfumpflanzen, Mais und Bohnen. Die Wiederaufforstung der Hochlagen wird seit einigen Jahren verstärkt vorangetrieben. Man hofft, den Holzbedarf der Insel bis zum Jahr 2020 aus Eigenwuchs decken zu können.
Geschichte
Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war die Ile de La Réunion unbewohnt. Es ist aber anzunehmen,
dass arabische Seefahrer im frühen 16. Jahrhundert an Land gingen. Auf arabischen Seekarten finden sich Namen wie Dina Arabica oder auch Dina Robin. Für das Abendland wurden die Inseln Mauritius, Rodrigues und La Réunion von Pedro Maskarenhas 1511 entdeckt und bilden seither die Gruppe der Maskarenen. Aber weder die Portugiesen noch die bald darauf auftauchenden Holländer nahmen die Insel in Besitz. 1642 entsandte der französische Gouverneur von Fort Dauphin auf Madagaskar Kapitän Cocquet auf die Insel, um sie im Namen von König Ludwig XIV. in Besitz zu nehmen. 1646 schickte man zehn aufrührerische Mitglieder der französischen Garnison auf Madagaskar nach Réunion ins Exil. Nach drei Jahren der Gefangenschaft wurden sie nach Madagaskar zurückgeholt. Da sie begeistert von ihrem Leben auf der einsamen Insel erzählten, wuchs die Neugier der Kolonisten, und 1649 wurde sie von dem französischen Naturforscher Étienne de Flacourt besucht. Zu Ehren des Königs Ludwig XIV. aus dem Geschlecht der Bourbonen nannte er sie Ile Bourbon. Vom Jahre 1665 an
ließ die Compagnie des Indes, eine französische Ostindien-Handelsgesellschaft, die Insel von einem Gouverneur verwalten. Im Jahre 1946 wurde die Insel zum französischen Département erklärt und damit Bestandteil Frankreichs wie andere Départements im Mutterland selbst. 1972 erhielt sie ein geringes Maß an Unabhängigkeit, als man ihr den Status einer Domaine Outre Mer verlieh. Seither erlebt sie eine Epoche des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Verwaltungsstruktur und die politische Organisation wurden modernisiert. Heute ist die Insel den Départements des Mutterlandes in ihren Rechten nahezu gleichgestellt. Jedoch können Verwaltung und Legislative der besonderen Situation angepasst werden, die sich durch die Lage fernab vom Kontinent ergibt. Im französischen Parlament ist La Réunion mit zwei Senatoren und drei Abgeordneten vertreten.
Bevölkerung La Réunion ist mit einer halben Million Menschen weit weniger dicht besiedelt als das benachbarte Mauritius. Wegen der vielen schwer zugänglichen Regionen, in denen nur wenige Menschen leben, ist der flache und nutzbare Teil stark bewohnt. Hohe Arbeitslosigkeit engte die Lebensmöglichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich ein, und viele aus der jüngeren Generation wanderten aus. Mehr als 50 000 ehemalige Réunionnais halten sich heute im Mutterland auf. Inzwischen ist aber der Lebensstandard erheblich gestiegen und hat fast den Standard Mitteleuropas erreicht. In der Küstenregion liegen die kleinen Städtchen, in denen etwa die Hälfte der Bevölkerung wohnt. Allein die Hauptstadt St. Denis beherbergt ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Die bunte Mischung der Kulturen macht den Reiz dieser Kleinstadt aus. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand die Bevölkerung der Insel zu einem Viertel aus weißen Siedlern, vorwiegend Bretonen, und zu drei Viertel aus deren afrikanischen und madagassischen Sklaven. Im 19. Jahrhundert, nachdem die Sklaverei abgeschafft war, kamen innerhalb von 25 Jahren 100 000 indische Arbeiter hinduistischen Glaubens auf die Insel. Sie leben heute vor allem im Nordosten, wo sich die Zuckerfabriken und -plantagen befinden. Diese Malabars haben sich den europäischen Sitten und Gebräuchen stark angepasst, was sich in Kleidung und Sprache ausdrückt. Nach 1875 begann die Einwanderung der Kanton-Chinesen (20 000). Obschon viele von ihnen katholischen Glaubens sind, haben sie ihre chinesische Schrift und intensive Familienbeziehungen nach China aufrechterhalten. Sie engagieren sich im Einzelhandel und betreiben Selbstbedienungsläden, Supermärkte und natürlich Restaurants. Zuletzt kamen Z´Arabes, Inder mohammedanischen Glaubens, nach La Réunion. Sie betätigen sich vor allem im Textilhandel. Weit stärker als auf der Nachbarinsel Mauritius hat eine Vermischung der unterschiedlichen Bevölkerungsteile stattgefunden. Während man auf den anderen Inseln des westlichen Indischen Ozeans nur die Mischbevölkerung aus Schwarzen und Weißen als echte Kreolen bezeichnet, zählt man hier auch Réunionnais mit indischem und chinesischem Einfluss zu dieser Bevölkerungsgruppe, die als erste Muttersprache das Kreolische und als zweite das Französische spricht.
Kunst und Kultur
Die verschiedenen Völker brachten ihre französische, indische, madagassische und chinesische Kultur und Folklore mit. Das ergibt zusammen die "kreolische" Mischung, wie sie auch auf den Seychellen und Mauritius zu finden ist allerdings mit einem mehr ins Französische gehenden, speziellen "charme réunionnais". Das Kunsthandwerk auf der Insel ist je nach Region verschieden. So werden zum Beispiel in der Gegend von Étang Sale Stühle hergestellt, und in der Nähe von Entre Deux werden Hausschuhe aus Kokosfasern gemacht. Die Korbflechterei aus gespaltenem und getrocknetem Bambus ist weit verbreitet. In der Umgebung von St. Philippe werden aus den Vacoa-Pflanzen Körbe und Hüte geflochten. Steine liefern das Rohmaterial für Aschenbecher und andere Gebrauchsgegenstände. Mehr den Charakter von Kunstgegenständen haben geschnitzte Figuren aus Koralle und Vulkangestein. Schreiner produzieren wieder vermehrt Möbel im Stil der Compagnie des Indes aus exotischen Hölzern wie Tamarinde, Kampfer und Olivenholz. Außerdem werden im Talkessel von Cilaos Patchworkteppiche produziert. Aus quadratischen Stoffresten wird ein Teppich zusammengenäht. Auf diese Weise entstehen auch Kissen und Decken. In Cilaos gibt es ein Kloster, in dem die Schwestern Stickereien anfertigen. Im 18. Jahrhundert wurde diese Tradition von Schwester Mac Auliffe eingeführt, und jedes Jahr erlernen dreißig junge Mädchen diese schwierige Kunst. Die Stickereien des Klosters sind wegen der Schönheit der Motive bekannt geworden. Zu erwähnen sind auch aus Olivenholz gedrehte Gegenstände und aus Iwarankusawurzel (Parfumpflanze) hergestellte kleinen Taschen.
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